DVDs, Musik und die liebe GEMA

Wichtige Vorabbemerkung

Die unten stehenden Hinweise sollten unbedingt vor der Musikauswahl für eine Filmproduktion beachtet werden. Ansonsten kann es nämlich passieren, dass man nachträglich Stücke im fertigen Film ersetzen muss.

Die unten stehenden Hinweise sind für DVDs gedacht, die im Heim- und Privatbereich genutzt werden sollen. Für DVDs, die z.B. auf öffentlichen Vorführungen, Präsentationen o.ä. gezeigt werden sollen, gelten andere Regeln, die ich nicht kenne. Die GEMA hilft hier (vielleicht).

Der Weg vom Master zur fertigen DVD

  1. Die "Rechte zur Nutzung" für alle verwendeten Musikstücke beim Rechteinhaber (Komponist oder Musikverleger) einholen (s.u.).
  2. Das "Vervielfältigungs- und Verbreitungsrecht" für alle verwendeten Musikstücke von der GEMA einholen (wenn die Musik nicht GEMA-frei ist) (s.u.).
  3. Das entsprechende Formular für die GEMA-Rechte ausfüllen.
  4. Eine Master-DVD erstellen, d.h. eine DVD-R (keine DVD+R) mit dem fertigen Film brennen.
  5. Sich von einer DVD-Firma ein Angebot machen lassen.
  6. Die Nachweise der Rechte zur Nutzung, das GEMA-Formular, den DVD-Master und eventuelle Vorlagen für Labels, Booklets etc. an die gewählte Firma schicken.
  7. Nach ca. zwei Wochen DVDs bekommen und glücklich sein.

Rechte zur Nutzung

Im Gegensatz zur blossen Verwendung (Reproduktion) von Musik z.B. auf Samplern stellt ein Film eine genehmigungspflichtige Bearbeitung eines Musikstücks dar. Verständlich wird dies, wenn man an eine mit der eigenen Musik unterlegte NPD-Wahlwerbung denkt... Man muss also den Rechteinhaber (den Komponisten bei unverlegter Musik, den Musikverlag bei verlegter Musik) um eine (schriftliche) Genehmigung bitten, sein Werk verarbeiten zu dürfen. Es kann natürlich sein, dass sich das der Rechteinhaber vergüten lässt.

Und wenn mir das Recht nicht gewährt wird?

Dann hast Du Pech gehabt. So geben z.B. die Eagles prinzipiell keine Rechte mehr frei. Kann man nichts machen, ausser ein anderes Stück zu wählen.

Was ist mit Coverversionen, Samples etc.?

Nichts Gutes. Bei Coverversionen muss sowohl der Rechteinhaber des Originals als auch der Rechteinhaber der Bearbeitung zustimmen. Bei Covern von Covern braucht man also drei Genehmigungen.

Bei Samples wird es sehr schwierig, weil man hier die Grenze zwischen (erlaubtem, genehmigungsfreiem) Zitieren und einer (genehmigungspflichtigen) Bearbeitung ziehen muss. Im Zweifel wird der Aufwand deshalb recht hoch. Der BGH hat im November 2008 geurteilt, dass selbst die Verwendung kleinster Soundfetzen schon in die Rechte des Urhebers eingreift.

Außerdem aus der verlinkten Pressemitteilung:

Nach § 24 Abs. 1 UrhG darf ein selbständiges Werk, das in freier Benutzung des Werkes eines anderen geschaffen worden ist, ohne Zustimmung des Urhebers des benutzten Werkes veröffentlicht und verwertet werden. Danach kann auch die Benutzung fremder Tonträger ohne Zustimmung des Berechtigten erlaubt sein, wenn das neue Werk zu der aus dem benutzten Tonträger entlehnten Tonfolge einen so großen Abstand hält, dass es als selbständig anzusehen ist. Eine freie Benutzung ist allerdings in zwei Fällen von vornherein ausgeschlossen: Ist derjenige, der die auf einem fremden Tonträger aufgezeichneten Töne oder Klänge für eigene Zwecke verwenden möchte, befähigt und befugt, diese selbst einzuspielen, gibt es für eine Übernahme der unternehmerischen Leistung des Tonträgerherstellers keine Rechtfertigung. Eine freie Benutzung kommt ferner nicht in Betracht, wenn es sich bei der erkennbar dem benutzten Tonträger entnommenen und dem neuen Werk zugrunde gelegten Tonfolge um eine Melodie handelt (§ 24 Abs. 2 UrhG).

Fazit: Überlegt Euch die Verwendung von Coverversionen sehr gut, meistens rentiert sich der Aufwand nicht.

Wie finde ich den Rechteinhaber heraus?

Bei GEMA-Repertoire gibt es auf der GEMA-Seite eine Suchmaske für deren Datenbank. Bei Nicht-GEMA-Repertoire kommt man über E-Mail meistens weiter, zur Not sucht die GEMA auch von sich aus nach dem Rechteinhaber - das kostet zwar nichts, dauert aber aufgrund diverser abzuwartender Fristen etliche Wochen.

Vervielfältigungs- und Verbreitungsrecht

Die Gebühren für die Gewährung dieses Rechts kassiert die GEMA. Sie sind meiner Kenntnis nach auch nur für Werke aus dem GEMA-Repertoire zu zahlen. Die Gebühr richtet sich prozentual (z.Z. 5,25%) nach dem Verkaufspreis, wobei der prozentuale Anteil von GEMA-Material am Gesamtfilm betrachtet wird (Gesamt muss man z.Z. mindestens 0,5294% zahlen). Ausserdem gibt es eine Mindestabgabe, die auch für Promotion-DVDs anfällt. Sie liegt derzeit bei 0,0511 � für jedes Stück mit weniger als fünf Minuten, jede zusätzliche Minute kostet 0,0102 �.

Beispiel:

Eine kostenlos abgegebene Werbe-DVD enthält 5 GEMA-freie und 5 GEMA-Repertoire Stücke. Jedes dieser Werke dauert höchstens 5 Minuten. An ddie GEMA müssen somit
(0,0511 �/Stück u. DVD) x (5 Stück) x (1000 DVD) = 255,50 �
gezahlt werden.

Royalty-Free Material

Um die GEMA kommt man dann, wenn man "royalty-free" Material verwendet, also Material, für das keine Verwertungsabgaben zu entrichten sind. Unabhängig davon können natürlich einmalige Kosten für das Material anfallen. Im Netz gibt es jede Menge Seiten, die solches Material kostenlos oder gegen Bezahlung anbieten. Bei den kostenlosen Angeboten gibt es zwei potentielle Probleme:
  • Qualität: Oft sind kostenlose Soundeffekte nur mit geringer Abtastrate verfügbar (z.B. 22 KHz, 8bit, mono). Auch ist die subjektive Qualität (vor allem bei Musik) normalerweise niedriger als bei professionell produziertem Material.
  • Rechte: Gerade bei Soundeffekten ist die Rechtelage oft nicht klar. Auch kurze Clips unterliegen natürlich dem Urheberrecht bzw. Copyright. Hinweise auf Urheber und eingeräumte Rechte fehlen aber meistens. Im schlimmsten Fall kann sich der Rechteinhaber nachträglich melden und - auch im Nachhinein - eine entsprechende finanzielle Entschädigung verlangen, oder die Verwendung komplett untersagen.

Creative Commons

Eine Abhilfe zumindest für das Problem mit den ungeklärten Rechten bieten die Creative-Commons-(CC)-Lizenzen. Diese sind in viele Sprachen übersetzt. Im folgenden werden die englischen Bezeichnungen verwendet. Die CC sollen die Verbreitung, Wiedergabe und Bearbeitung kostenloser Inhalte über das Netz fördern. Sie sind quasi das künstlerische Gegenstück zu Open-Source-Lizenzen wie GPL, BSD License, etc. Die CC bieten Künstlern eine Art Lizenz-Baukasten, aus dem sie sich die Lizenz zusammenstellen können, die sie gerne haben möchten. Vor Verwendung eines CC-lizensierten Werkse sollte man sich die Lizenzbedingungen genau durchlesen, da sie gewisse - teilweise schwerwigende - Einschränkungen vorschreiben können. Die wichtigsten CC-Lizenzbestandteile für die Einbindung von Audiomaterial in Videos sind:
  • No Derivatives (ND) - das Werk darf nicht bearbeitet oder in andere Werke eingebunden werden. Dies bedeutet: nicht als Tonspur für ein Video geeignet. Eventuell kann man den Urheber davon überzeugen, diese Klausel aus der Lizenz zu nehmen.
  • Share-Alike (SA) - Das Endergebnis (d.h. das Video) muss unter der gleichen Lizenz veröffentlicht werden. Dies geht natürlich nur, wenn alles andere Material, das im Endergebnis verwendet wurde, auch unter dieser Lizenz veröffentlicht werden kann!
  • Non-Commercial (NC) - Das Endergebnis muss nicht-kommerziell sein.
  • Attribution (BY) - Der Urheber muss genannt werden (z.B. im Abspann)

Es bietet sich also an, das eigene Werk ebenfalls unter CC BY-NC-SA zu veröffentlichen, da diese Lizenz zum einen universitären Prinzipien ähnelt, zum anderen auch die Möglichkeit gibt, viele CC-lizenzierte Werke zu verwenden.

DVD-Herstellung

Eine kleine Sammlung von Herstellern:
  • Mediabit: Damit haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht. Preiswert und nett. Mediabit arbeitet mit der Firma Scanner GmbH zusammen, welche die Vorbereitung des Label- und Bookletdrucks übernimmt. Mehr auf den Homepages der Firmen.
  • House of Audio Studios: Sehr nette Leute, waren aber Anfang 2005 deutlich teurer als Mediabit
  • CD Manufaktur: Stellen auch DVDs her.

Ungefähre Kosten (Mitte 2007)

Für 1000 DVDs inkl. Druck und DVD-Hülle muss man mit ca. 900 - 1100 EUR, je nach Auführung, rechnen. Weniger DVDs kosten pro Stück deutlich mehr, mehr DVDs deutlich weniger. Bei weniger als 500 Stück ist es meist günstiger, DVDs nicht von einem Glasmaster aus pressen zu lassen, sondern stattdessen DVD-Rohlinge brennen zu lassen. Das machen alle o.g. Firmen.

-- MartinWagner - 15 Jul 2005 -- RaphaelWimmer - 20 Aug 2007
Topic revision: r5 - 01 Dec 2008, RaphaelWimmer
 
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